Vor Kurzem haben wir euch “I am human” von Carolina Harkort vorgestellt. Nun geht unsere kleine Serie zum Thema “Super Families” mit der tollen Fotografin Andrea Diefenbach weiter. In Kürze erscheint im Kehrer Verlag ihr Buch »Land ohne Eltern«, das dem Betrachter eine dramatische Situation eindringlich und ohne falsches Pathos vor Augen führt. Ihre Bildsprache zeigt Sympathie und Respekt für die Menschen die sie portraitiert. 

Andrea Diefenbach beschreibt in ihrer Serie »Land ohne Eltern« die Lebenssituation von Arbeitsmigranten in der Republik Moldau, einem der ärmsten Länder Europas. Ihre Fotografien verdeutlichen geradezu schmerzhaft die Distanz zwischen zwei räumlich voneinander getrennten Welten: die der in der Heimat zurückgelassenen Kinder und jene der Eltern in der Ferne.

»Als ich im April 2008 in der ersten Klasse der Schule eines kleinen Dorfs im Südosten der Republik Moldau stand, wo die Lehrerin fragte, ›Wessen Eltern leben in Italien?‹ und etwa zwei Drittel der Kinder mit einer Mischung aus Stolz und Verlegenheit aufzeigten, war ich erschrocken. Es ist etwas völlig anderes, all die Statistiken über Arbeitsmigranten und Rücküberweisungen zu lesen, als in einem kalten Klassenraum vor 30 Sechsjährigen mit Wollmützen zu stehen und zu wissen, diese Kinder haben ihre Eltern oft seit Jahren nicht gesehen ...«

Andrea Diefenbach im Slanted Interview

1. Wie bist Du zur Fotografie gekommen?
Ganz klassisch durch die Dunkelkammer meines Opas. Eigentlich wollte ich dann mit 15 »GEO Fotograf« werden ohne mir weiter zu überlegen wie bzw. journalistisch zu fotografieren,  nach einem Jahr Reisen nach dem Abi, habe ich dann mit Anfang 20 eine Ausbildung bei einem Werbe- und Modefotografen gemacht, anschließend ein bisschen als Assistentin und Grafikerin gearbeitet. Mit 26 habe ich dann doch noch an der FH Bielefeld Fotografie studiert. Und vom ersten Moment nur noch Dokumentarfotografie/Fotojournalismus.

2. Welche Themen interessieren Dich am meisten in Deiner Arbeit bzw. wie wählst Du Themen aus?
Mich interessiert der Mensch. Woran glaubt er, was bewegt ihn, wie wird er mit schweren Schicksalen fertig ... Ich versuche große Phänomene im Kleinen zu erzählen und dabei eher in die Tiefe zu gehen (Migration erzählt an kleinem Land und an wenigen Familien, AIDS Epidemie in der Ukraine an einigen Betroffenen statt dem großen Ganzen, wie Krankenhäusern etc.)

3. Mit welchem Equipment fotografierst du? 
Freie Projekte bisher auf 4,5 x 6cm / Farbnegativ / mit einer Mamiya 645 AF und einer Bronica RF 645. Jobs digital KB (Canon 5D Mark II), das nächste eigene Projekt vermutlich auch digital. So gut wie immer nur mit vorhandenem Licht.

4. Künstler oder Techniker?
Fotograf.

5. Wer inspiriert Dich? Gibt es Vorbilder?
Mehr Lieblingsfotografen als unbedingt Vorbilder: Alec Soth, Alessandra Saguinetti, Diane Arbus, William Eggleston, Lise Sarfati u.a.

6. Gibt es Webseiten/Portale zum Thema Fotografie, die Du regelmäßig besuchst?
Nicht regelmäßig und seit mein Sohn auf der Welt ist noch unregelmäßiger, wenn ich Zeit habe zum Beispiel: Conscientious, Littlebrownmushroom-Blog, Ahorn-Magazine.

7. Welche Magazine liest Du?
Photonews im Abo.

8. An welchen Projekten arbeitest Du gerade? Wie geht es weiter?
Vor ein paar Monaten habe ich entschieden, dass in meinem Kopf wohl erst Platz für ein neues Projekt ist, wenn das Buch im Oktober erschienen ist.

Land ohne Eltern 

Autoren: Dumitru Crudu, Grigore Vieru, Nicola Abé
Künstler: Andrea Diefenbach
Verlag: Kehrer Heidelberg
Format: 23 x 20 cm
Umfang: 124 Seiten
Specials: Festeinband, 72 Farbabb.
Sprache: Deutsch/Englisch
ISBN: 978-3-86828-337-2
Preis: 39,90 Euro

Bis zum 10.10. gibt es noch die Möglichkeit, eine signierte, nummerierte Sonderedition mit Originalprint in 18 x 24 cm zu erwerben. Preis: 98,- Euro, erhältlich per Email unter Angabe der Postadresse. 


(Foto: Heinrich Völkel)

Andrea Diefenbach (*1974) arbeitet seit dem Studium an der FH Bielefeld als freie Fotografin und hat u. a. in Brigitte, Brand Eins, Geo, stern, Neon, Der Spiegel, Die Zeit, SZ-Magazin und Du veröffentlicht. »Land ohne Eltern«, wurde von der Robert-Bosch-Stiftung im Rahmen des Grenzgängerprogramms gefördert und außerdem mit dem Dokumentarfotografie-Förderpreis der Wüstenrot Stiftung und dem n-ost Reportagepreis 2012 ausgezeichnet. Es ist ihr zweites Buch nach »SPID. Aids in Odessa« (2008).

www.andreadiefenbach.com

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