Büroleitsystem für TON Objekteinrichtung in Münster

Mit Ray und Charles an der Tafelrunde

Leit- und Orientierungssysteme sind wichtig für gut organisierte Büro- und Ausstellungsbauten, da sie zu einer optimalen Orientierung in einer fremden Umgebung beitragen. Sie stellen einen wesentlichen Bestandteil der Planung von Neu- und Umbauten dar. Dass auch vergleichsweise weniger komplexe Ausstellungsräume sowie offen gestaltete Bürogebäude von einem Leitsystem profitieren können, beweist das Leitsystem für die Räumlichkeiten der TON Gesellschaft für Objekteinrichtung mbH im Speicher 5 in Münster.

Nach dem Umzug der Firma TON in die Räume des denkmalgeschützten Speichers der Speicherstadt in Münster-Coerde wird eine auf zwei Ebenen verteilte, 900 m² große Fläche komplett als Showroom und Arbeitsplatz genutzt. So können direkt vor Ort verschiedene Büroarrangements nicht nur vorgestellt, sondern auch getestet werden. Um Kunden und Besuchern, wie auch neuen Mitarbeitern, den Weg zu den jeweiligen Bürosituationen zu weisen, wurde ein Leitsystem installiert, das spielerisch auf die einzelnen Arrangements hinweist, auf das Corporate Design abgestimmt ist und zum architektonischen Umfeld passt. Die Entwicklung und Umsetzung des Systems übernahm die Designagentur Kuhl|Frenzel aus Osnabrück, die mit ihrer Lösung dem innovativen Büro-Ausstellungskonzept Rechnung trägt. Das System hebt sich durch seine Farbigkeit von der Architektur ab, ohne sich dabei aufzudrängen: Als markanter „Farbtupfer“ verleiht es den überwiegend weißen Räumen Struktur und Frische.

Der Speicher wird von Besuchern betreten, die sich über verschiedene Bürolösungen informieren wollen. Damit die einzelnen Vorschläge und Nutzungsfunktionen, wie Seminar-, Besprechungs- oder Rückzugssituationen, unterschieden werden können, erhielten die jeweiligen Räume klar definierte Bezeichnungen, die auch im Leitsystem Verwendung finden. Auffällig und doch zurückhaltend wurden daher für die Leitnavigation des Systems die Raumbezeichnungen mit weißer Farbe im Eingangsbereich auf den Boden gemalt, die Zielnavigation besteht aus handflächengroßen Türschildern. Ihre Form basiert auf dem graphischen Keyvisual des Unternehmens – das O des Logos.

Als ausgestanztes Loch kehrt dieses Motiv in allen Bereichen der Unternehmenskommunikation wieder: in Visitenkarten, dem Geschäftspapier etc. Konsequent wurde daher dieses Wiedererkennungsmerkmal auch im Leitsystem verwendet: An Wände montierte, runde Edelstahltafeln greifen das Corporate Design auf, ergänzen es um eine raumbildende Maßnahme und werden so zum Eyecatcher. Das Aufgreifen des einheitlichen Erscheinungsbildes auch im Leitsystem wirkt sich ebenso effektiv auf die Imagebildung aus wie gute Vermarktung, PR- und Öffentlichkeitsarbeit. Denn dem Leitsystem wird durch die passend zu den Räumen gestalteten Schilder und die inhaltlichen Bezüge zum Corporate Design Individualität verliehen.

Dass die funktionalen und marktwirtschaftlichen Aspekte der Orientierung und Identifikation auch eine spielerische Komponente erhalten können, verdeutlicht die grafische Umsetzung der Beschilderung sowie das Naming der Bereiche und verschiedenen Raumsituationen. So heißt der Seminarraum beispielsweise „Klassenzimmer“, der Multimediazone wird als „Schnittstelle“ betitelt, die „Ideenschmiede“ stellt einen internen Besprechungsraum für die Mitarbeiter dar und der als „Tafelrunde“ bezeichnete Raum wird als Bibliothek und für Kundengespräche genutzt. Darüber hinaus gibt es noch die „Werkstatt“ im Untergeschoss, wo Kunden eigene Arrangements zusammenstellen und die unterschiedliche Wirkung hinsichtlich Materialien und Farben testen können, sowie die „Auszeit“ – einen Rückzugsort für Mitarbeiter, um in Ruhe neue Konzepte und Ideen zu entwickeln. Mit diesem ebenfalls von Kuhl|Frenzel entwickelten Naming-Konzept wird eine Brücke zwischen Raum und Nutzung, zwischen Inhalt und Form geschaffen, die ebenfalls in der grafischen Gestaltung ihre Umsetzung findet. Denn die einzelnen Tafeln greifen das Naming in Form von Text und Piktogrammen, die die Bezeichnung grafisch-thematisch darstellen, auf. Bestehend aus Edelstahlplatten wurden in die Schilder Motive eingefräst und in Sandwichtechnik mit Materialien aus den jeweiligen Zielbereichen hinterlegt. So wird etwa das Café-Piktogramm der als „Planbar“ bezeichneten Büroküche mit Filz, die Toilettenfiguren „Ray“ (Damen) und „Charles“ (Herren) mit Porzellan und die Bücher auf dem Tafelrundenschild mit Leinen kombiniert. Die im Namingprozess entstandenen Bezeichnungen für die Endbereiche wurden im Corporate Type Frutiger ebenfalls in die Platte dekupiert und sind wie die Leitnavigation in weiß gehalten. Der stete Bezug der Details zueinander lässt ein harmonisches Ganzes entstehen, ohne in Konkurrenz zu der Einrichtung zu treten. Das Leitsystem fügt sich in die vorhandenen Strukturen ein, organisiert sie neu und schafft so – als sprachlich-visuelle Ergänzung des Ausstellungskonzeptes – Übersichtlichkeit, Orientierung und einen idealen Einstieg in das Gespräch.

Als Bindeglied zwischen Raum und Nutzer gewährleisten Leit- und Orientierungssysteme Büro- und Ausstellungsflächen – wie auch öffentlichen Gebäuden und Institutionen – generell die räumliche Orientierung. Sie bieten Informationen zur Struktur des Gebäudes, fördern das Verständnis für die Büroaufteilung und -gliederung und ermöglichen dem Benutzer durch einen logischen und leicht verständlichen Aufbau das Zurechtfinden im Gebäude. Das Aufgreifen des Corporate Designs sowie die Berücksichtigung der Raumgegebenheiten machen ein individuell entwickeltes Leitsystem einzigartig und stärken so die Marke. Optimalerweise wird es dadurch auch zum Teil der Corporate Architecture. Unterstützt durch den systematischen Einsatz der Leitelemente wird eine ideale Übersichtlichkeit erzielt und ein sinnliches Erlebnis erzeugt.

www.kuhlfrenzel.de

 

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