Leit- und Orientierungssystem für das Amtsgerichts Osnabrück

Auf dem rechten Wege

In unbekannten Geländebeschaffenheiten stehen einem meist nur wenige Informationen zur Verfügung, um sich zurechtzufinden. Während das „Laufen und Suchen mit Kompass und Karte“ beim Orientierungslauf für Abwechslung sorgt, ist dieses Vorgehen im Alltag weniger gut geeignet, sein Ziel zu erreichen. Besonders in stressigen Situationen hilft daher ein Leit- und Orientierungssystem weiter. Es verhindert ein Verirren, indem es durch eine übersichtliche Struktur die Nutzer auf ihren Wegen leitet. Dies gilt auch für Verwaltungs- und Bürogebäude. Durch ihre komplexe Struktur stellen sie Nutzer vor ein Gewirr von Etagen, Bereichen und Fluren. Damit sich Besucher und Mitarbeiter zurechtfinden, wurde für das Amtsgericht Osnabrück ein Leit- und Orientierungssystem geschaffen, das einfach und konsequent in der Gestaltung zu den gewünschten Räumen führt.

Das Justizzentrum Osnabrück ist ein Gebäudeensemble, bestehend aus einem Altbau, einem zweigeschossigen Flachbau und einem zehnstöckigem Hochhaus. Das zehngeschossige Verwaltungsgebäude beherbergt die Justizbehörden des Amts-, Land- und Arbeitsgerichtes. Das vom Ende der 60er Jahre stammende Gebäude war stark sanierungsbedürftig und wurde 2009 im Zuge des Konjunkturpakets II energetisch saniert. Im Inneren sind auf den ersten zwei Geschossen die Sitzungssäle, darüber die Büroräume untergebracht; in den zwei Kellergeschossen befinden sich Technik- und Lagerräume. Im Rahmen der Sanierungsarbeiten entwickelte die Designagentur Kuhl|Frenzel ein Leit- und Orientierungssystem für den oberirdischen Bereich des Amtsgerichts, welcher ausschließlich Mitarbeitern und befugten Personen zugänglich ist. Die Planung und Konzeption umfasste neben der Schrift- und Typografieberatung auch das Farb- und Orientierungskonzept. Hierbei wurde die klare und strukturierte Gliederung des Grundrisses in die Konzeption aufgenommen. Die zentrale Erschließung des Gebäudes erfolgt über die Fahrstühle, da die vorhandenen Treppenhäuser lediglich als Fluchtwege fungieren. Die logische Struktur des Leit- und Orientierungssystems ermöglicht eine schnelle Identifizierung und erleichtert das Zurechtfinden im Gebäude – besonders bei den sich wiederholenden Grundrissen.


Durch die Gänge mäandern

Wirksame Leit- und Orientierungssysteme sind gut positioniert, benutzerfreundlich konzipiert und leiten den Nutzer zuverlässig durch Gebäude und Gänge, um den richtigen Weg bzw. die richtigen Büroräume zu finden. Da ab der zweiten Etage die Stockwerke des Amtsgericht-Hochhauses gleich geschnitten sind, ist die Orientierung einerseits innerhalb der Etagen einfach, andererseits ist sie in Bezug auf die Etagen erschwert: Lediglich eine Tafel mit der jeweiligen Geschossnummer unterschied bisher die Stockwerke. Das Leit- und Orientierungssystem erleichtert dies nun, indem es sich vom prägnantesten Punkt ausgehend entwickelt – den Fahrstühlen. Das Leitsystem befindet sich daher in jeder Etage in der Austrittszone der Fahrstühle, wodurch das schnelle Erfassen des jeweiligen Stockwerks vom Aufzug aus möglich wird. Das Leit- und Orientierungssystem besteht aus einem sich durch alle Etagen nach und nach aufbauenden Mäanderband, einer eindeutigen Nummerierung der Stockwerke sowie einer starken und auffälligen Farbkombination aus Rot, Schwarz und Weiß. Die durchgehende Einbeziehung der Wände in das Leitsystem unterstützt die reibungslose Orientierung und den hohen Wiedererkennungswert.

Grafische Elemente, Farbigkeit und Schriftgestalt sind die Vokabeln eines Leit- und Orientierungssystems. Beim Amtsgericht Osnabrück bildet das rote Mäanderband den zentralen Kern des Systems. Bestehend aus einzelnen Streifen, baut es sich nach und nach über die einzelnen Etagen hinweg auf – sodass der Nutzer neben der Beschriftung des Stockwerkes ebenfalls anhand der Anzahl der Streifen erkennen kann, in welcher Etage er sich befindet. Die Bänder sind in einem Winkel von 80° angebracht, 10 cm breit und haben jeweils 1 cm Abstand zueinander. Rechts vom letzten Streifen befindet sich die Geschossnummer. Unter Zunahme der Bandanzahl „wandert“ die Zahl von Etage zu Etage immer weiter nach rechts. Die Beschriftung besteht aus 13,5 cm großen Zahlen, die die Geschossnummern angeben sowie aus 4 cm hohen Zahlen, die auf die Büroräume verweisen. Der Nutzer ist im Bereich der Fahrstühle eindeutig von der Grafik umgeben. Der Blick wird durch das Leitsystem zur Wand gelenkt, an der sich die jeweiligen Informationen befinden. In den Bereichen abseits der Fahrstühle weisen Pfeile den Weg und die Beschriftung wird in gleichbleibender Art und Weise fortgesetzt.

Die Wahl der Farbe für das Leit- und Orientierungssystem nimmt Rücksicht auf die verwendeten Materialitäten. Statt des ehemaligen „grau in grau“ wurde ein Farbkonzept entwickelt, das den Räumen Frische verleiht, sich hervorhebt und auf die Raumgegebenheiten eingeht. Rot wurde für das Leit- und Orientierungssystem verwendet, weil es nicht nur für die Nutzer eindeutig und schnell zu erkennen ist. Zudem stellt es die Verbindung zu der Wappenfarbe des Bundeslandes Niedersachsen her. Die Beschriftungen wurden in Schwarz angebracht, da sie sich so vom Untergrund abheben und leicht erfassen lassen ohne aufdringlich zu sein.

Schriften spielen in der Entwicklung von Leit- und Orientierungssystemen eine besondere Rolle. Sie müssen in den architektonischen Kontext sowie zum Unternehmen passen und eine hohe Identitätskraft aufweisen. Für das Leitsystem des Amtsgerichts Osnabrück wurde als Schriftart die Palatino Bold von Linotype verwendet. Diese Schrift ist prägnant, ohne den sachlichen aber nicht kühlen Charakter des Amtsgerichts zu beeinflussen. Sie ist eine Französische Renaissance-Antiqua, die 1949 von Hermann Zapf entworfen wurde. Bis heute ist die leicht und offen gestaltete Schrift eine der international weitest verbreiteten Antiquaschriften für den Buchdruck, die ein optimales Lesebild wiedergibt. Durch den Bold-Schnitt, also den fetten Schriftzug, und den Serifen ist die Schrift auch vom Aufzug aus gut lesbar. Weiterhin wurde mit der Palatino beim Justizzentrum für einen „emotionalen“ Kontrast zur vorherrschenden Sachlichkeit gesorgt.

 

 

www.kuhlfrenzel.de

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