Leit- und Orientierungssystem für das Klinikum Osnabrück

Auf dem Weg der Besserung

In fremden Regionen und Städten hält man zur Orientierung Stadtpläne in der Hand, sieht auf Informationstafeln und sucht nach vertrauten Punkten. Das Zurechtfinden wird durch diese Leitelemente wesentlich erleichtert. Was für den Freiraum gilt, trifft auch für komplexe und unbekannte Gebäude zu. Damit in hektischen und aufregenden Situationen keine Verwirrung und Hilflosigkeit entsteht, hilft ein Leit- und Orientierungssystem weiter. Es verhindert ein Verirren, indem es durch eine übersichtliche Struktur die Nutzer auf ihren Wegen leitet. Dies gilt in besonderem Maße für Krankenhäuser, Kliniken und Einrichtungen der Pflege: Für Patienten und deren Angehörige sind die Gegebenheiten oft fremd, sehr weitläufig und es herrscht eine hohe Besucherfrequenz. Durch ihre komplexe Struktur stellen sie Nutzer vor ein Gewirr von Stationen, Bereichen und Fluren. Damit sich Besucher und Mitarbeiter zurechtfinden, wurde für das Klinikum Osnabrück am Finkenhügel ein Leit- und Orientierungssystem geschaffen, das – einfach und konsequent in der Gestaltung – zu den gewünschten Räumen führt.


Patientenfreundliche Behandlung

Neben einer guten Struktur sollten Gebäude des Gesundheitswesens über eine Umgebung verfügen, die den Genesungsprozess des Patienten begünstigt. Ausschließlich an funktionalen Zwecken orientierte Bauwerke können diesen Anspruch nicht erfüllen. Im Osnabrücker Klinikum wurde der Eingangsbereich von der pbr Planungsbüro Rohling AG nach einem Konzept saniert, das Patienten, Besuchern und Krankenhauspersonal mehr Aufenthaltsqualität bietet. Im Zuge dessen hat die Designagentur Kuhl|Frenzel ein Farb- und Typographiekonzept entwickelt und zudem ein Leit- und Orientierungssystem einschließlich individueller Piktogramme gestaltet. Diese Elemente einer Kommunikation im Raum helfen, zu den richtigen Abteilungen und Stationen zu finden und stärken das Sicherheitsgefühl.

 

Bei der Gestaltung des Foyers stand der Wohlfühlcharakter im Vordergrund. Weitestgehend wurde daher auf Mauern verzichtet und stattdessen Glaswände eingebaut, die den Empfangsraum optisch weiten. Des Weiteren wurden anstelle einer nüchternen Begrünung Pflanzen als graphische Elemente eingesetzt. Durch die Platzierung von überlebensgroßen gelb-grünen Heilpflanzen- und Farnmotiven an den Glaswänden wird eine freundliche Raumatmosphäre kreiert und eine Verbindung zur Natur, die das Klinikum unmittelbar umgibt, hergestellt. Da ein Teil der Glaswände die Aufnahmekabinen vom offenen Eingangsbereich abtrennt, fungieren die Farnmotive gleichzeitig als natürlich anmutender Sichtschutz.

Das Raumkonzept nimmt die Idee der Integration von naturbezogenen Gestaltungsthemen auf; so wurde für den gestalterisch hervorgehobenen Bereich der Krankenhaus-Aufnahme eine Oberfläche aus dunklem Holz gewählt. Da Aufnahme und Aufnahmekabinen direkt aneinandergrenzen, ergänzen sich die beiden Gestaltungsthemen sinnvoll. Die mehrgeschossige Glasfassade des Baukörpers sorgt für eine natürliche Beleuchtung des Eingangsbereichs. Durch das einfallende Licht wird die Wirkung der Oberflächengestaltung verstärkt. Das Ergebnis ist eine lichte und freundliche Eingangshalle mit offenen Ruhezonen.


Schnelle Hilfe

Wer schnell und eindeutig an sein Ziel geleitet wird, hat ein Leit- und Orientierungssystem meist gar nicht bewusst wahrgenommen. Denn die wesentlichen Aufgaben eines wirksamen Leitsystems sind, den Weg zu weisen, Orientierung zu schaffen und zu informieren, ohne dabei vom eigentlichen Ziel abzulenken. Dies ist bei komplexen Gebäudestrukturen wie dem Klinikum Osnabrück besonders wichtig. Mehr Übersichtlichkeit wird zudem durch die Verwendung eines farbig kodierten Leitsystems erreicht, das mit bis zu raumhohen, an Wänden angebrachten Hinweisen für die einzelnen Stationen arbeitet. Besucher werden schnell auf die Beschilderung aufmerksam und können so den von ihnen gesuchten Bereich des Klinikums besser auffinden.

Damit eine schnelle Hilfe gewährleistet werden kann, muss bei der Erstellung des Leit- und Orientierungssystems sowohl auf die Gebäudestruktur als auch auf die innere Organisation Rücksicht genommen werden. Beim Klinikum Osnabrück ist ein langgestreckter, mehrflügliger Gebäudekomplex gegeben. Auf drei Ebenen erstrecken sich über die gesamte Gebäudelänge je zwei parallel verlaufende Gänge, die zu jeweils vier Trakten führen. Um sich als Patient oder Besucher, aber auch als Mitarbeiter nicht zu verirren, wurden Informationsgrafiken und Leitelemente an den laufverkehrsstarken Punkten angebracht. Diese Knotenpunkte wurden als Basis des Leitsystems definiert und in Zusammenarbeit mit der Facility-Management-Abteilung des Klinikums entsprechend umgesetzt.

Die Leitelemente bestehen aus Buchstaben und Piktogrammen, mit denen auf die einzelnen Bereiche verwiesen wird. Der Behandlungsgang mit Stationen, Bettenzimmern, Aufenthaltsräumen, etc. ist durch den Buchstaben B sowie einem Bettpiktogramm gekennzeichnet. Der Ärzte- und Personalgang mit den entsprechenden Bereichen wiederum mit einem A und dem Piktogramm eines Arztes. Durch die Verwendung der international verständlichen Zeichen kann auf eine mehrsprachige Beschilderung verzichtet werden. Dies bot sich beim Osnabrücker Klinikum besonders an, da ein Teil des Gebäudes auch vom britischen Militär benutzt wurde und so die spezielle Flurführung universal verständlich kommuniziert werden konnte. Vor dem Betreten eines der beiden Hauptgänge erläutert der entsprechende Buchstabe, groß und gut sichtbar neben der Tür platziert, in welchen Bereich der Weg führt. Über der Tür befindet sich ein Wegweiser mit entsprechendem Buchstabe und den Nummern der nachfolgenden Stationen. Die Informationsgrafiken sind in Form von Wandbeschilderungen gestaltet und auf den Laufweg ausgerichtet. In regelmäßigen Abständen angebracht unterstützen und erleichtern sie das Zurechtfinden in den Trakten und Stationen. Das Erreichen einer Station markiert ein gesondertes Schild, das nur auf die jeweilige Station verweist. An ihrer Zugangstür befindet sich eine weitere Beschilderung mit den näheren Angaben zur Station wie Stationsart, Chefarzt und Raumbelegung. Aufgrund ihrer Beschaffenheit ist die Beschilderung leicht zu variieren und daher auch bei Erweiterungen bzw. Veränderungen innerhalb des Komplexes anwendbar.

Hilfsmittel der Orientierung

Farbe ist ein wichtiger Bestandteil von Leit- und Orientierungssystemen. Sie kann auffallend, grell und bunt sein oder dezent, schlicht und nur auf ein gewisses Spektrum begrenzt. So unterschiedlich Farbtöne auch sind, ihnen ist gemein, dass sie diverse psychologische Wirkungen haben. Beim Klinikum Osnabrück wurden für die einzelnen identisch aufgebauten Ebenen die Farben Blau, Grün und Gelb verwendet. Die farbliche Kodierung erleichtert hierbei nicht nur die Orientierung über die Geschosse hinweg. Auf die jeweiligen Stationen abgestimmt, vermitteln die Farben auch Ruhe, Geborgenheit, Lebensfreude und Schutz. Zudem gelten sie als Symbole für Leben und verweisen durch ihre Assoziation mit Wasser, Wiese und Sonne auf die umgebende Natur. Patienten gelangen dadurch in eine positive Grundstimmung, die vorteilhaft für ihre Behandlung ist. Bei der Wahl der Farben wurde darauf geachtet, dass sie im Farbspektrum nicht zu nah und nicht zu weit voneinander entfernt liegen und somit sehr starke oder schwache Kontraste vermieden werden. Gleichzeitig wird mit den Farben eine Verbindung zu den gelb-grünen Pflanzenmotiven im Foyer geschaffen. Durch Einbezug weiterer Raumelemente, wie etwa Türrahmen, in das Farbkonzept fügt sich das Leit- und Orientierungssystem optimal in die vorhandenen Gegebenheiten ein.

Schriften spielen in der Entwicklung von Leit- und Orientierungssystemen ebenfalls eine besondere Rolle. Sie müssen in den architektonischen Kontext sowie zur medizinischen Einrichtung passen und eine hohe Identitätskraft aufweisen. Für das Leitsystem des Klinikums in Osnabrück wurde die Schrift ITC Stone Sans verwendet. Sie wurde 1987 von Sumner Stone entworfen und ist eine beliebte Schrift für Bücher, Menükarten und Filmabspanntexte, da sie gut lesbar ist. Dies vereinfacht den Wiedererkennungswert wie auch die Orientierung im Gebäude. Durch Verwendung der großen Buchstaben an den Gängen ist der jeweilige Bereich von weitem für junge und alte Patienten wie auch in Notsituationen schnell erfassbar. Weiterhin ist die ITC Stone Sans eine elegante Schrift ohne dabei einen zu förmlichen Charakter zu haben. Vielmehr verleiht sie dem Klinikum dadurch ein frisches Design.

www.kuhlfrenzel.de

 

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