Indiecon 2018 / Rückblick

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Vergangenes Wochenende waren wir auf der Indiecon 2018 – The Independent Magazine Festival in Hamburg. Unter dem diesjährigen Titel »No more Borders« startete das Festival, welches von Die Brueder erschaffen wurde, bereits am Freitag mit zahlreichen Vorträgen. Ab Samstag kamen dann noch Workshops und die Indiemagdays dazu, eine Messe auf der unabhängige Publikationen und coole Print-Produkte bis einschließlich Sonntag direkt von den Herausgebern und Gestaltern erworben werden konnten.

Wir waren am Samstag bereits zeitig da und konnten ungestört durch die zahlreichen Magazine stöbern und bei den Workshops vorbeischauen. Das Festival fand in zwei weitläufigen hellen Lagerhallen im Kreativquartier am Oberhafen statt. Gemütliche Sofas, leckere Snacks und Getränke versüßten uns die Zeit bis zum Beginn der Vorträge.

Um 13:30 Uhr ging es dann schließlich mit dem ersten Vortrag an diesem Tag los. Oliver Gehrs, der Herausgeber des Dummy Magazins, sprach in seinem provokanten Vortrag mit dem Titel »Introduction: A Restoration of Reasonable Limits« über Grenzen und Grenzüberschreitungen, die auch bei der Publikation eines Indie-Magazins eine erhebliche Rolle spielen. Er plädiert dafür, wieder mehr Fachleute und Experten einzusetzen, um ein hochwertiges Magazin zu schaffen und bei der Produktion mehr Grenzen festzustecken. Nach dem Vortrag, welcher abwechselnd von zwei Übersetzerinnen ins Englische übertragen wurde, folgte eine lebhafte Debatte mit dem Publikum.

Danach ging es gleich weiter mit der Diskussionsrunde »Think Further: How to Grow Internationally« mit Sissel Hansen, der Herausgeberin und CEO hinter der Buchreihe Start-Up Guide, und Mike Koedinger von Maison Moderne und Paperjam aus Luxemburg. Die beiden gaben Einblicke in die Entwicklungen und Anfänge ihrer Firmen und Projekte und berichteten auch von Schwierigkeiten und Finanzierungswegen. Zudem wurde auch der Schritt ins internationale Business und der hohe Wert des Networkings thematisiert.

Dynamisch ging es schließlich weiter mit der Präsentation »41-43 The Fastest Magazine Goes Digital« des 5-Tage-Intensiv-Kurses der Indiecon Summer School. 11 Studenten hatten innerhalb weniger Tage zum Thema »No more Borders« ein gesamtes Magazin plus Augmented-Reality-Anwendung gestaltet und produziert. Das Team vom Froh! Magazin sowie einige erfahrene Helfer standen ihnen dabei beratend zur Seite. So entstand ein Magazin mit 15 verschiedenen Covern, zudem jeder Teilnehmer einen Betrag zum Thema Grenzen und Grenzüberschreitung gestaltete. Das Magazin konnte zudem auf der Indiemag Messe gekauft, sowie die AR-Anwendung vor Ort ausprobiert werden.

Nach einer kurzen Pause ging es mit zwei Talks und einer Diskussionsrunde mit Laura Schwulst und Florian Mecklenburg und Karolien Buurmann von NXS weiter. Laura unterrichtet Interactive Design an der Yale University und hat an verschiedenen digitalen Projekten mitgearbeitet. Sie hinterfragte in ihrem Vortrag die Definition einer Website und stellte uns verschiedene Projekte vor, die sie im Peer-to-Peer-Web veröffentlicht hat und welche Ähnlichkeiten zum Independent Publishing aufweisen.

Florian und Karolien vom Kollektiv NXS erzählten uns von ihrer Arbeit, welche sich mit dem Selbst im digitalen Zeitalter beschäftigt und aus digitalen und gedruckten Publikationen, Videokunst, Performance und Ausstellungen besteht. Zusammen mit Christoph Knoth, Professor für Digitale Grafik an der HFBK Hamburg und Teil von Studio Knoth & Renner, diskutierten die Drei mit dem Publikum das Thema »Growing a New Internet«.

Mit dem Talk »South as State of Mind: Still Open for Maintenance« stellte Monika Szewczyk das gleichnamige Magazin vor, welches besonders durch die documenta 14 internationale Bekanntheit erlangte. Sie arbeitet als Kuratorin und war bisher an mehr als 20 Publikationen in fünf verschiedenen Ländern beteiligt. 2014 zog sie nach Athen, um dort für die documenta 14 zu arbeiten. Zusammen mit Marina Fokidis, der Gründerin von South as State of Mind, erarbeitete sie die 10. Ausgabe, welche die documenta 14 in der Zeit der Entstehung begleiten sollte.

Mit einer Portion Gratis-Popcorn konnten wir uns beim nächsten Vortrag zurücklehnen und die vorletzte Veranstaltung des Abends »Bringing Asian Cinema to the Printed Page« genießen. Davide Cazzaro zeigte an diesem Abend fünf besondere Kurzfilme aus Asien, darunter Filme aus Singapur, Malaysia und eine japanische Produktion. Davide ist der Herausgeber des NANG Magazins und beschäftigt sich seit langem mit der Film- und Kinokultur in Asien.

Zu guter Letzt spielten Ghostbag + Tine Fetz ein wunderbares Konzert im Oberhafen. Das Duo besteht aus dem niederländischen Musiker Nick Jongen und der Berliner Illustratorin Tine Fetz. Aus dem losen Ansatz »Tine zeichnet und Nick interpretiert ihre Zeichnung als Musik« entstand ein ganzes Album, das die beiden derzeit auf Tour präsentieren. 

Das Indiecon-Festival nahm damit für uns ein schönes Ende. Bis Sonntag konnte man im Oberhafen auf der Messe noch Magazine kaufen und mit den Machern in Kontakt treten. Wir haben uns gefreut, dass so viele Leute aus der internationalen Publisher- und Indiemagazinszene dort waren. Auch das abwechslungsreiche Line-up der Sprecher hat uns sehr gut gefallen. Im Gegensatz zu anderen sehr kommerziellen Designfestivals und -konferenzen, sticht die Indiecon durch ihr persönliches Flair und der Liebe zum Detail hervor. Wir nehmen von diesem Festival viele Eindrücke und Inspiration mit und freuen uns schon auf die nächste Indiecon!

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